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Europäische Beispiele

Berlin - Bereitstellung von Sportanlagen

Die Berliner Kommunen bauen und unterhalten Sportanlagen und stellen diese Sportvereinen und anderen Gruppen zur Verfügung. Für den Bezirk Lichtenberg wurden die Ausgaben im Bereich Sport (Investitionen, Instandhaltung und Betrieb der Sportanlagen) einer geschlechterdifferenzierten NutzerInnenanalyse unterzogen. Es zeigte sich, dass im Jahr 2004 das Produktbudget „Bereitstellung von Sportanlagen" in Höhe von rund € 4,1 Millionen zu 38 % Frauen und 62 % Männern zugute kam. Die Berechnungen basierten auf NutzerInnenstatistiken nach Sportart, auf Basis derer dann die Ausgaben je Sportart auf Frauen und Männer zugeteilt wurden.

Den Ergebnissen zufolge betreiben Frauen eher Hallensportarten, Männer tendenziell im Freien ausgeübte Sportarten. Eine gerechtere Verteilung der Mittel könnte daher erreicht werden, wenn ein größerer Teil des Budgets in Hallensportangebote fließt. Der Bezirk investierte daher im folgenden Haushalt verstärkt in Sportarten, die mehrheitlich von Frauen genutzt werden. Die Investitionsentscheidung wurde zugunsten einer Sporthalle gefällt. Die Auswertung der Daten führte zu einem gerechteren und effizienteren Mitteleinsatz.

Eine Weiterführung der Berliner Ergebnisse zeigt, dass die durchschnittlichen Ausgaben pro NutzerIn im Bereich Tennis und Kraftsport am höchsten sind. Für Aerobic und Seniorensport sind die pro Kopf Ausgaben vergleichsweise sehr gering. Zusätzliche Erhebungen zu den Ursachen, warum Frauen Sportanlagen nur zu 38 % nutzen (zu wenig Freizeit, andere Interessen, schlechte Erreichbarkeit der Anlagen etc.), beispielsweise über NutzerInnenbefragungen, wurden in Berlin nicht durchgeführt, könnten die Analysen aber vertiefen. Es ist auch nicht bekannt, ob geschlechtsspezifische Angebote (Seniorensport für Herren, Mädchenfußball) bestehen.

Weiterführende Informationen:


Köln - Ausgaben für Bibliotheken

Im Rahmen des FrauenForums, gegründet aus unterschiedlichen Frauenvereinen, wurde in der Stadt Köln in Nordrhein-Westfalen eine Untersuchung ausgewählter Bereiche des Haushaltes durchgeführt, u.a. auch das Budgetkapitel Stadtbibliotheken, um abschätzen zu können, welche Bevölkerungsgruppen von den geplanten Budgeteinsparungen betroffen wären.

Für die Analyse wurden Informationen über das Nutzungsverhalten der Bibliotheken herangezogen. Daten waren von BibliotheksbesucherInnen mit Bibliotheksausweis vorhanden. Diese Daten wurden in Altersgruppen nach Geschlecht unterteilt ausgewertet.  

Die Untersuchung brachte interessante Informationen über das Leseverhalten zutage: Bis zu einem Alter von 12 Jahren ist das Leseverhalten der Mädchen und Buben noch nahezu ausgeglichen ist. Mit zunehmendem Alter sinkt der Anteil der Buben. Bei Erwachsenen, ab 18 Jahren, zeigt sich ein relativ stabiles Verhältnis von 1/3 männlichen und 2/3 weiblichen NutzerInnen. Frauen greifen auf das öffentliche Leseangebot also weitaus häufiger zurück. Die absolut hohe Anzahl an jugendlichen LeserInnen zeigt auch die wichtige Funktion der Bibliotheken im Bildungsbereich.

Eine Auswertung der Nutzung nach unterschiedlichen Angeboten, wie Zentralbibliothek, Stadtteil-Bibliotheken sowie Bibliotheksbusse zeigt ebenfalls aufschlussreiche Unterschiede nach Alter und Geschlecht. Bibliotheksbusse werden besonders stark von Kindern und Jugendlichen genutzt. Frauen nutzen eher Stadtteilbibliotheken während Männer eher die Zentralbibliothek aufsuchen. Das Angebot vor Ort kann mit geringerem Zeitaufwand wahrgenommen werden. Gleichzeitig spiegeln sich in diesem Nutzungsverhalten auch unterschiedliche Mobilitätsmöglichkeiten von Frauen, Männern und Kindern wider.

Eine weitere Untersuchung der Nutzung nach unterschiedlichen Medien, wie Bücher, Tonträger und Multimedia zeigte, dass besonders hinsichtlich der Nutzung der elektronischen Medien ein geschlechtsspezifischer Unterschied festzustellen ist: Nur 30-40% der unter 18-jährigen NutzerInnen waren weiblich. Nur bei den Erwachsenen in Ausbildung zeigt sich eine annähern ausgewogene Nutzung der Medienbibliothek durch Männer und Frauen. Es zeigt sich, dass Maßnahmen überlegenswert wären, wie für Mädchen der Umgang mit Medien und andererseits für Buben das Lesen von Büchern attraktiver gemacht werden kann, um einen Ausgleich zu schaffen.

Anhand dieser Analyse wurde auch deutlich, dass vordergründig neutral wirkende budgetpolitische Maßnahmen doch sehr unterschiedliche Auswirkungen auf Mädchen/Frauen und Buben/Männer haben. Die Ergebnisse zeigten, dass besonders Kinder und Jugendliche sowie Frauen auf die Stadtteilbibliotheken und die Bibliotheksbusse angewiesen sind. Im Zuge der Budgetkonsolidierung wurde aber beschlossen, Zweigstellen zu schließen und die Öffnungszeiten einzuschränken. Bibliotheksbusse wurden abgeschafft. Diese Maßnahmen gingen vor allem zu Lasten von Kindern, Jugendlichen und Frauen. Diese Bevölkerungsgruppen werden auch kaum auf das Angebot der Zentralbibliothek ausweichen. Frauen haben oft nicht die Zeit, in die Innenstadt zu fahren bzw. es fehlt ihnen an der nötigen Mobilität. Kinder können die weitere Strecke in die Innenstadt z.T. nicht alleine zurücklegen. Sie würden dazu eine Begleitperson, meist wohl die Mutter, benötigen. Aufgrund der sinkenden Zuschüsse muss die Bibliothek auch Gebühren für Benutzung, Verleih und Internetnutzung einheben, um den hohen Standard aufrecht halten zu können. Diese wirken sich negativ auf die Inanspruchnahme aus.

Weiterführende Informationen: 


Gründungsförderung (München-Fonds) der Stadt München

Im Rahmen des Projektes Gender Alp! wurde die Gründungsförderung der Stadt München untersucht.

Die Stadt München bietet zur Förderung von Existenz- und  Unternehmensgründungen öffentlich finanzierte Beratungsmaßnahmen, Ausbildung und Coaching sowie Unterstützung bei der Kapitalbeschaffung über den sogenannten München-Fonds an. Der München-Fonds ist ein speziell auf Kleingründungen ausgelegtes und relativ unbürokratisch organisiertes Förderprogramm. Seine besonderen Konditionen haben dazu geführt, dass er von einem relativ hohen Frauenteil beansprucht wurde. Die Maßnahme zur Unterstützung bei der Kapitalbeschaffung wurde auf ihre geschlechterspezifischen Wirkungen hin untersucht.

Die Maßnahme umfasst die Gewährung von Darlehen bis zu eine maximalen Höhe von € 50.000,-- durch die Sparkasse München zu Normalkonditionen. Die DarlehensnehmerInnen erhalten eine Intensivbetreuung, vor allem durch vierteljährlich betriebswirtschaftliche Prüfungen. Scheitert die Gründung, übernimmt die Stadt München 70 % der Haftung für das Darlehen.

Als Ergebnis der Nutzungsindizienanalyse konnte festgehalten werden, dass die Förderung der Männer im gleichen Programm pro Kopf mehr Kosten verursacht hat. Dies ergab sich rechnerisch durch die im Durchschnitt höheren Fördersummen und die höhere Misserfolgsquote. Die Kosten für die Haftungsübernahme betrugen rund € 4.520,- pro Gründer und etwa € 1.000,- pro Gründerin.

Die Untersuchung legte eine Umgestaltung der Gründungsförderung dahingehend nahe, dass vermehrt Frauen gefördert werden. Dies ergibt sich einerseits daraus, dass die Selbstständigenquote von Frauen bei 6 % und die von Männern bei 12 % liegt und daher vermutlich Potentiale ungenutzt bleiben. Zudem zeigten die Frauen in der untersuchten Stichrobe ein nachhaltigeres Gründungsverhalten, wodurch die öffentlichen Mittel von ihnen effizienter eingesetzt wurden.

Weiterführende Informationen: 


Genderspezifische Wirkungen von Sparmaßnahmen in Basel-Stadt

Am Beispiel einer Studie über Einsparungen bei den Personal- und Sachausgaben der Spitäler der Stadt Basel zeigten sich indirekte Effekte von Sparmaßnahmen im
öffentlichen Haushalt auf die Verteilung unbezahlter Arbeit.

Die Ergebnisse zeigen, dass

  • im untersuchten Zeitraum die Personalausgaben in den Spitälern zurückgingen.
  • die Anzahl der Akutbetten um ein Drittel reduziert wurde, wodurch sich die
    Auslastung der Spitalsbetten verbesserte.
  • sich die durchschnittliche Pflegedauer pro Patientin von 19 auf 13 Tage verkürzte.
  • nicht verheiratete Personen im Durchschnitt länger im Krankenhaus blieben als verheiratete.

Die Ergebnisse lassen vermuten, dass die Einsparungen zum Teil zulasten von
privater und ambulanter Betreuungsarbeit, die meist von Frauen verrichtet wird,
getätigt wurden. Die Analyse stellt daher mehr eine Annäherung an detaillierter
zu untersuchenden Fragen dar als eine Antwort selbst.

» Publikation "Gender-Budget: Der kleine Unterschied in den Staatsfinanzen"


Geschäftsführung der IMAG GMB, BKA, Abteilung III/1 - Impressum - last update: 15.01.2018