Der Gebrauch von Cookies erlaubt uns Ihre Erfahrungen auf dieser Website zu optimieren. Wir verwenden Cookies zu Statistikzwecken und zur Qualitätssicherung. Durch Fortfahren auf unserer Website stimmen Sie dieser Verwendung zu. Erfahren Sie mehr in der Seite "Datenschutzinformation".

Corona-Krise

Das Coronavirus macht vor keiner Gesellschaftsschicht und keiner Geschlechtszuordnung halt, aber die von ihm ausgelöste Krise trifft Frauen und Männer in unterschiedlicher Weise. Zwar erkranken Männer von Natur aus und wegen ihres Lebensstils, soweit bekannt, etwas häufiger und tendenziell schwerer. Aber viele Frauen leiden in anderer Hinsicht besonders schwer unter der Krise, die die Pandemie auslöst.

Auswirkungen der Corona-Krise auf Frauen

  • Frauen stehen in der Corona-Krise an vorderster Front - Beschäftigte im Gesundheitswesen sind überwiegend Frauen. Obwohl sie oft hohen Risiken ausgesetzt sind, zum Beispiel bei der Wahrung des nötigen Abstands zu Erkrankten, ist ihre Entlohnung noch immer unterdurchschnittlich.
  • Unbezahlte Betreuungsarbeit für Frauen nimmt zu - insbesondere mit der Schließung von Schulen und Arbeitsplätzen. Noch schwieriger wird die Situation für Alleinerziehende, vor allem, wenn sie keine Möglichkeiten der informellen Kinderbetreuung zur Verfügung haben.
  • Häusliche Gewalt nimmt in Krisenzeiten zu - Frauen sind gewalttätigen Partnern zu Hause nun oft über längere Zeiträume ausgesetzt. Das macht es schwieriger für sie, Helplines anzurufen.
  • Wir brauchen mehr Frauen in Entscheidungsprozessen - während Frauen in den Spitälern unermüdlich im Hintergrund arbeiten, sind es in der Krise überwiegend Männer, die wichtige Entscheidungen treffen und diese kommunizieren. Dieses Ungleichgewicht bedeutet, dass Frauen von Entscheidungen, die ihr eigenes Leben betreffen, ausgeschlossen sind.

Wirtschaft und Arbeitsmarkt: Ökonomische Auswirkungen auf Frauen 

Die COVID-19-Pandemie bewirkt auf dem Arbeitsmarkt Beschäftigungseinbußen wie zuletzt vor rund 70 Jahren und einen massiven Anstieg der Arbeitslosigkeit. Der Beschäftigungsrückgang der Frauen fällt zwar geringer aus als jener der Männer, konzentriert sich aber auf für die Frauenbeschäftigung bedeutende Wirtschaftsbereiche, vor allem auf Beherbergung und Gaststätten, Tourismus und persönliche Dienstleistungen. Auch der Anstieg der Arbeitslosigkeit ist unter Frauen geringer, betrifft aber eher Höherqualifizierte, während bei den Männern Geringqualifizierte stärker betroffen sind. Die Doppelbelastung durch Beruf und Betreuungspflichten, infolge von Home-Office oder einer Beschäftigung in den systemrelevanten Wirtschaftsbereichen, trifft Frauen stärker als Männer. (siehe COVID-19: Ökonomische Effekte auf Frauen, Studie des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung, April 2020)

Die Rolle von Gender Mainstreaming und Gender Budgeting

Die COVID-19-Pandemie hat die Regierungen vieler Staaten zu sofortigen fiskalpolitischen Reaktionen veranlasst, um den Ausgabenbedarf im Gesundheitssektor zu unterstützen und die wirtschaftlichen Auswirkungen abzuschwächen. Bei der Planung und Umsetzung von Notfallmaßnahmen sollte nach einer im April 2020 veröffentlichten Studie der OECD nach Möglichkeit darauf geachtet werden, die Auswirkungen auf Frauen und Männer mitzudenken. Regierungen profitieren dabei von Gender Budgeting, von wirkungsorientierter Folgenabschätzung und von einem leichten Zugang zu qualitativ hochwertigen geschlechterdifferenzierten Daten und Indikatoren in allen Sektoren. Schwächen in diesen Systemen können dazu führen, dass unbeabsichtigter Weise bestehende Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern durch Notfallmaßnahmen vergrößert werden.

Die OECD schlägt daher eine Reihe von politischen Handlungsmöglichkeiten vor, die sicherstellen sollen, dass die politischen Reaktionen auf die COVID-19 Pandemie geschlechtsspezifische Auswirkungen im Blick haben:

  • Integration von Verfahren der wirkungsorientierten Folgenabschätzung in das Notfallmanagement. Dies erfordert ein gut funktionierendes Gender-Mainstreaming-System und einen leichten Zugang zu nach Geschlecht aufgearbeiteten Daten in allen Sektoren.
  • Gender Budgeting kann dazu beitragen, dass die Gender-Perspektive bei Maßnahmen, die im Konjunkturpaket enthalten sind, berücksichtigt wird. Die isländische Regierung hat im Rahmen der fiskalischen Reaktion auf die aktuelle Krise die Fachministerien gebeten zu beschreiben, wie potenzielle Investitionen Frauen und Männern unterschiedlich zugutekommen könnten. Dies ermöglicht es der Regierung, diese Informationen im Entscheidungsprozess zu berücksichtigen und die kollektiven Auswirkungen des Gesamtpakets auf die Ziele der Geschlechtergleichstellung besser zu verstehen.
  • Es soll sichergestellt werden, dass alle strukturellen Anpassungen für eine nachhaltige Erholung einer geschlechtsspezifischen und intersektionalen Analyse unterzogen werden.
  • Intensivierung der Maßnahmen zur Erhöhung der Anzahl von Frauen und Frauenorganisationen in Entscheidungsprozessen im Zusammenhang mit der Reaktion auf COVID-19.

Medizinische Auswirkungen der Corona-Krise auf Frauen und Männer

Eine ExpertInnengruppe der Europäischen Kommission veröffentlichte eine Case-Study, in welcher die Auswirkungen von sex und gender in der Covid-19 Pandemie untersucht werden. Konkret befasst sich die Studie "The impact of sex and gender in the COVID-19 pandemic" mit der Frage, ob das Geschlecht Immunantworten und den Krankheitsverlauf von Covid-19 beeinflusst. Außerdem wird auf den Stellenwert von sozialen und ökonomischen Unterschieden eingegangen. Die Studie ist hier abrufbar. 

Dokumente und Links