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Gesund arbeiten im Hotel- und Gastgewerbe - Prävention von psychosozialen und ergonomischen Belastungen.

Ziel(e)

Ziel dieser zweijährigen Schwerpunktaktion der Arbeitsinspektion war, durch eine vereinheitlichte Beratungs- und Kontrollinitiative in dieser Branche eine Optimierung der Ermittlung und Beurteilung der Gefährdungen und Belastungen und der Umsetzung von geeigneten Maßnahmen zu bewirken um dadurch langfristig eine Reduktion dieser arbeitsbedingten Fehlbelastungen und Beschwerden zu erreichen.

Zielgruppe(n)

Der Frauenanteil im Hotel-, Gastgewerbe liegt bei 60 bis 70%. In den von der Schwerpunktaktion erfassten Arbeitsbereichen Küche, Service (Kellnerinnen), Hotel-Rezeption und Zimmerservice sind (außer in Küchen der gehobenen Gastronomie) überwiegend Frauen beschäftigt, deren belastende Arbeitsbedingungen bisher oft vernachlässigt wurden, vor allem unergonomische Arbeitsvorgänge und psychische Belastungen.

Inhalt

Phase 1 (August 2011 bis Jänner 2012): Umfassende Arbeitsschutz-Besichtigung in den Bereichen Küche, Service, Housekeeping und Rezeption zur Umsetzung der Evaluierung von Gefahren und Belastungen bei der Arbeit (v.a. Ergonomie, psychische Belastungen); Unterweisung und Information (Instrumenten/Vorgehensweisen); Maßnahmenumsetzung.

Fehlbelastungen durch stehende Tätigkeit bzw. Arbeit unter Zwangshaltungen, dauernder Parteienverkehr/Kundenkontakt, einseitige körperliche Belastung, schwere körperliche Anstrengung/Heben, unregelmäßige und überlange Arbeitszeiten, standen dabei im Mittelpunkt. Einige Belastungen treffen überwiegend Frauen, wie sexuelle Belästigung im Service oder "Zwangslächeln". Die Einbeziehung aller Beschäftigtengruppen (Ältere/Jüngere, Personen mit unterschiedlichstem Migrationshintergrund, Teilzeitbeschäftigte, Leiharbeiter/innen u.a. - jeweils mit Fokus Frauen) war zusätzlicher Beratungsaspekt, ebenso die Bestellung von Frauen als Sicherheitsvertrauenspersonen in den Betrieben (trotz weiblich dominierter Branche, waren in den besichtigten Betrieben die bestellten Sicherheitsvertrauenspersonen ca. 64 % männlich).

Phase 2 (Februar 2012 - November 2012): In kleineren Gastgewerbebetrieben mit Schwerpunkt auf Umsetzung der Maßnahmen zum Schutz der psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz. Erfahrungen mit den Betrieben, die bereits in Phase 1 besichtigt wurden, und neuen Betrieben (Zufallsstichprobe), Auseinandersetzung mit vorgefundenen betrieblichen Maßnahmen zur Reduktion von arbeitsbedingten psychischen Belastungen; Entwicklung eines Fragebogens, um standardisiertes Vorgehen bei den Besichtigungen zu ermöglichen, und von Informationsmaterialien, beides unter Einbeziehung genderrelevanter Fragen.

Der Fokus lag auf Maßnahmen zur Vermeidung häufiger Veränderungen der Arbeitsorganisation / Arbeitsabläufe, dem Umgang mit großer Arbeitsmenge und Zeitdruck, sowie Nacht- / Schicht- / Wechsel- und Teildiensten. Auch der Umgang mit schwierigen Situationen war ein Thema, hierbei ging es um organisatorische Maßnahmen zur Vermeidung interner Konflikte durch unklare Arbeitsabläufe, Umgang mit schwierigen/gefährlichen Situationen mit Gästen, sexueller Belästigung und Alleinarbeit.

Die Schwerpunktaktion wurde eingebunden in die nationale Beratungs- und Kontrollinitiative zur Verbesserung der Ermittlung und Beurteilung von Gefahren und Belastungen (insbesondere arbeitsbedingter psychischer Belastungen) und der Umsetzung von geeigneten Maßnahmen und in die österreichische Arbeitsschutzstrategie 2007-2012, wodurch zusätzliche MultiplikatorInneneffekte entstehen sollten. Mit der 2. Phase des Schwerpunkts erfolgte die Umsetzung der EU-Kampagne 2012 zur Evaluierung psychosozialer Risiken.

Ergebnisse

In Phase 1 wurden 197 Gastronomiebetriebe österreichweit besucht: 112 Hotels (57%) und 85 Gaststätten (43%). 26% der Gaststätten und 19% der Hotels beschäftigten zum Besichtigungszeitpunkt weniger als 30 MitarbeiterInnen. Frauenanteil 53 % (Männer 40 %), 3 % weibliche Lehrlinge (4 % männliche Lehrlinge) - überwiegend 21 bis 39 Jahre (mehr als 50 %). 82 % Betriebe hatten Sicherheitsvertrauenspersonen bestellt, davon 64 % männliche SVP und nur 36 % weibliche SVP (frauendominierte Branche, oft Familienangehörige und Führungskräfte als SVP).

In Phase 2 erfolgte die Überprüfung von 187 Gastgewerbebetrieben; Bisher ausgewertet 166 Besichtigungen, hierbei wurden 310 Beschäftigte gezielt befragt (172 w, 138 m), Verbesserungen gegenüber Phase 1 wurden beobachtet bzw. unterbliebene Maßnahmen eingefordert (159 Beratungen, 129 Aufforderungen zur Herstellung des gesetzlichen Zustands, 3 Strafanzeigen).

Durch die Themensetzung der überprüften Arbeitsschutzbereiche konnte der Schwerpunkt auf besonders häufig Frauen belastende Arbeitsbedingungen gelenkt werden. Längerfristig sind so Verbesserungen zu erwarten vor allem bei Evaluierung (§ 4 ASchG) und Prävention gegen psychische Belastungen am Arbeitsplatz wie Zeit- und Termindruck, mangelnde Arbeitsorganisation, Teildienste/fehlende Planbarkeit der Arbeitszeit, "Zwangslächeln", Umgang mit schwierigen Kunden, Gewaltvorfälle, sexuelle Belästigung, Konfliktsituationen, Nachtarbeit, widersprüchliche Erwartungen an die Beschäftigten. Weiteres wurden spezifische Gefahren und Belastungen besonders für Frauen im Küchen- und Servicebereich erfasst, die in der Praxis bisher oft vernachlässigt wurden: z.B. Transport schwerer oder sperriger Lasten über Stiegen oder Verkehrsflächen, Bereitstellung von Hilfsmitteln für den Transport, geeignete Arbeitsschuhe wegen Ausrutschen/Stolpergefahren, Hitze/Raumklima, häufiges Bücken/Ergonomie.

Die bisher in den Unternehmen kaum berücksichtigten psychischen Belastungen wurden generell als wesentlicher Teil des ArbeitnehmerInnenschutzes thematisiert und die Evaluierung psychischer Belastungen auch durch Kooperationen mit anderen Einrichtungen zum "Thema" in dieser Branche (KMU). Damit zusammenhängend sind Verbesserungspotenziale der Arbeitsorganisation und Arbeitszeitplanung sowie die Notwendigkeit von Konfliktregelungen stärker ins Blickfeld gerückt. Die gängige Bestellung von Männern zu Sicherheitsvertrauenspersonen wurde hinterfragt und künftig auch die Bestellung von Frauen nahegelegt.

Begleitmaßnahmen wie BR-, SVP- und Führungskräfte-Schulungen ( gemeinsam mit AKOÖ und WKOÖ), GAST (Messe Salzburg); Kooperation mit AK, Fachgewerkschaft vida, AUVA.

Best Practices zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen wurden gesammelt (Kriterien unter Einbeziehung von Gender/Diversity) und Informationsmaterialien vor allem auch zur Umsetzung der Evaluierung psychischer Belastungen erstellt (u.a. Folder, Merkblätter, Fragebogen zur Prävention psychosozialer Belastungen) - siehe u.a. Website der Arbeitsinspektion: https://www.arbeitsinspektion.gv.at/inspektorat/Gesundheit_im_Betrieb/

Einbindung in nationale Arbeitsschutzstrategie 2007-2012 sowie im zweiten Halbjahr 2012 in die Umsetzung der Europäischen SLIC-Kampagne zur „Evaluierung psychischer Belastungen“ (auch in Betrieben, die der Kontrolle des Verkehrs-Arbeitsinspektorats/Kompetenzzentrum Verkehr unterliegen).

Projektinformationen

Organisation:
Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz
Projektzeitraum:
August 2011 - April 2013
Themenbereich(e):
Arbeitsmarkt, Arbeitsschutz, Soziales, Konsumentenschutz, Gesundheit, Gewalt, Sexismus
Art der Maßnahme(n):
Beratungs- und Qualifizierungsmaßnahme, Sonstiges
Projektauswirkung:
extern
Projektdurchführung:
extern
Kontakt:

Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz
VII/A/4 (ZAI)
Magistra Steurer Julia
E-Mail: julia.steurer@bmask.gv.at 

Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz
VII/A/4 (ZAI)
Doktorin Huber Elsbeth
E-Mail: elsbeth.huber@bmask.gv.at

Links:
Website der Arbeitsinspektion: Informationsmaterial, Ergebnisse