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Jahresarbeitsschwerpunkt der Arbeitsinspektion (JAP) 2013 – 2015: Sicher und Gesund in der mobilen Pflege und Betreuung

Ziel(e)

Ziel dieser mehrjährigen Schwerpunktaktionen in der mobilen Pflege ist es, dass

  • die Überprüfung der Ermittlung und Beurteilung von physischen und psychischen Gefährdungen und Belastungen (§ 4 iVm § 7 ASchG), der Arbeitsstoffevaluierung und der Mutterschutzevaluierung nach einheitlichen Kriterien (einschließlich genderrelevanten Arbeitsschutzaspekten) erfolgt. Zu diesem Zwecke wurde ein Leitfaden von der AI zusammen mit den AN- und AG –Organisationen erarbeitet (u.a. Kapitel zu Genderaspekten der mobilen Pflege: Pflege und Betreuung – "Frauenarbeit"?)
  • eine Vereinheitlichung der Vorgehensweise der AI in Österreich durch Information und Schulung aller beteiligten ArbeitsinspektorInnen erreicht wird
  • eine effiziente regionale Vernetzung der AI mit den relevanten AG- und AN-Organisationen mit MultiplikatorInnenwirkung erfolgt
  • alle Gender- und Diversity relevanten Aspekte bei der Analyse, Planung und Umsetzung von Maßnahmen berücksichtigt werden.

Zielgruppe(n)

Beschäftigte (überwiegend Frauen), ExpertInnen und ArbeitgeberInnen in der mobilen Pflege, Trägereinrichtungen

Inhalt

Information, Beratung und Kontrolle der Arbeitsbedingungen in der mobilen Pflege, mit Schwerpunkt in den Themenbereichen:

  • Ergonomisches Arbeiten
  • Arbeitsbedingte psychische Belastungen
  • Gesundheitsgefährdende Arbeitsstoffe
  • Betreuungsort und Weg zum Betreuungsort
  • Mutterschutz

Ergebnisse

Der Leitfaden "Mobile Pflege und Betreuung – sicher und gesund" als Orientierungshilfe zur systematischen Umsetzung der Arbeitsplatzevaluierung wurde in Zusammenarbeit von MitarbeiterInnen der Mobilen Dienste wie Caritas ED Wien, Dachverband Wiener Sozialeinrichtungen, Diakonie, Hilfswerk Ö und NÖ, Österreichisches Rotes Kreuz, Volkshilfe NÖ sowie der Arbeiterkammer NÖ, der Arbeitsinspektion und des Zentral-Arbeitsinspektorates sowie unter Berücksichtigung von Anregungen des ASBÖ-Wien erstellt und veröffentlicht.

Auch wenn inzwischen einzelne Männer im Pflegebereich tätig sind, ist die mobile Pflege und Betreuung weiterhin überwiegend frauendominiert. Erst in den letzten Jahren ist das Hinterfragen von Rollenzuschreibungen, die sich auch am Arbeitsplatz und in der Bewertung von Berufen negativ auswirken, stärker in den Mittelpunkt gerückt. Das gilt auch für die bislang oft fehlende Aufmerksamkeit für Sicherheits- und Gesundheitsrisken, die mit Arbeiten verbunden sind, die häufiger von Frauen durchgeführt werden. Bereits durch die Auseinandersetzung mit der Situation des Arbeitsschutzes bei der mobilen Pflege und Betreuung wurden auch Gender- und Diversity-Aspekte angesprochen: Mit dem „in den Blickpunkt stellen“ einer Branche, in der überwiegend Frauen tätig sind, und dem „genaueren Hinschauen“ auf die Arbeitsbedingungen aller Beschäftigten gehen meist automatisch Fragen nach Wertschätzung der Arbeit, Ressourcenverteilung, nach Handlungsspielräumen und Entwicklungsmöglichkeiten, Geschlechterverhältnissen und der Einbeziehung in Fragen des ArbeitnehmerInnenschutzes einher. Oft geben Prioritätensetzungen, die im Dreieck Trägerorganisation - betreute Personen – ArbeitnehmerInnen erforderlich werden, Aufschluss darüber, welcher Stellenwert den Leistungen und Bedürfnissen der meist weiblichen Beschäftigten beigemessen wird.

Eine unsichtbare Branche?

Typisch für die „Unsichtbarkeit“ ist auch das Fehlen von genauen Zahlenangaben, wie viele Menschen tatsächlich in der mobilen Pflege und Betreuung wie beschäftigt sind. Das mag einerseits an Definitionsschwierigkeiten der Tätigkeit „mobile Pflege und Betreuung“ liegen und an der länderweise sehr unterschiedlichen Struktur der Branche. Bekannt ist: Etwa 97% der Beschäftigten sind weiblich, über 80% in Teilzeit. Teilzeitbeschäftigung ist zudem nicht immer selbstgewählt - oft ist Vollzeit gewünscht, aber nicht möglich.

Der Anteil der männlichen Beschäftigten ist im Steigen begriffen, besonders in den besser bezahlten Bereichen. Wurde in geschlechtsgemischten Teams gearbeitet, wurde von deutlich weniger Schwierigkeiten im Umgang mit den Herausforderungen berichtet. Besonders in Ballungsräumen ist auch der Anteil von ArbeitnehmerInnen mit Migrationshintergrund sehr hoch (z.B. Wien: etwa 70 %). Auffallend sind deren überdurchschnittlichen Sprachkenntnisse und die oftmalige (meist branchenfremde) Überqualifizierung - Kompetenzen, die bei der Arbeit kaum entsprechend eingesetzt werden können oder honoriert werden.

Die Branche wächst nicht nur – sie verändert sich auch laufend. Einerseits durch Hinzunahme neuer Aufgaben, höheren Qualitätsstandards (in Service und Ausbildung), andererseits auch durch den „demographischen Wandel“ der eigenen Belegschaft. Diese wird zunehmend jünger: Während vor etwa 15-20 Jahren noch viele Arbeitnehmerinnen nach der „Kinderpause“ Tätigkeiten in der mobilen Pflege und Betreuung annahmen, sind es nun vermehrt jüngere Arbeitnehmerinnen, die sich durch die Möglichkeit einer Teilzeitbeschäftigung bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie erwarten. Diese Erwartung wird durch die Realität in der mobilen Pflege und Betreuung –kurzfristige Änderungen des Dienstplans gehören häufig zum Alltag - oft nicht erfüllt und führt zu zusätzlichen psychischen Belastungen der Beschäftigten. Durch die Änderung in der Altersstruktur der Beschäftigten und bei noch nicht angepassten Maßnahmen von Seiten der Organisationen vermehrt Probleme mit Mutterschutzbestimmungen auf.

Auszug aus Ergebnissen der Schwerpunktaktion zu betrieblichen Maßnahmen im gelingenden Umgang mit Gender- und diversityrelevanten Aspekten bei der Arbeit:

  • Muttersprachliche Ansprechperson, wenn es Probleme / Fragen zum Ablauf etc. gibt(Alltagsprobleme, Verbesserungsvorschläge ..)
  • Zur Überwindung von Kommunikationsproblemen gibt es „Piktogrammsammlungen“
  • Die meisten großen Organisationen bieten Schulungen an
  • An die Bedürfnisse der Beschäftigten angepasste Organisation von Weiterbildungen
  • Handlungsanleitungen für Krisenfälle (wo rufe ich an, was tue ich, wenn?) bei Gewalt, sexuellen Übergriffen, Waffen

Projektinformationen

Organisation:
Bundesministerium für Arbeit, Familie und Jugend
Projektzeitraum:
Januar 2013 - Januar 2015
Themenbereich(e):
Arbeitsmarkt, Arbeitsschutz, Soziales, Konsumentenschutz, Frauen und Gleichstellung
Art der Maßnahme(n):
Informations- und Bewusstseinsmaßnahme, Öffentlichkeitsarbeit
Projektauswirkung:
extern
Projektdurchführung:
extern
Kontakt:

Arbeitsinspektorat Krems
Dipl.-Ing. Jäger Franz
E-Mail: franz.jaeger@arbeitsinspektion.gv.at           

BMASK
VII/A/4
Mag.a Steurer Julia

E-Mail: julia.steurer@sozialministerium.at

Links:
Jahresarbeitsschwerpunkt der Arbeitsinspektion (JAP) 2013 – 2015